Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren angewiesen. Deshalb stehen die Nephrologen – Nierenärzte – mit ihrer Arbeit für umfassende medizinische Versorgung. Und ermöglichen so Patientinnen und Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität.

Dialyse und Nierentransplantationen

Dialyse

Hämodialyse

  • Bei der Hämodialyse wird das Blut durch einen Dialysator außerhalb des Körpers geleitet und dabei von harnpflichtigen Substanzen, Mineralstoffen, überflüssigem Wasser und Abbauprodukten befreit. Der Dialysator befindet sich an der Dialysemaschine. Der Blutkreislauf des Patienten ist über Schläuche mit dem Gerät verbunden. Das Blut des Patienten wird über ein großes Blutgefäß (meist am Unterarm) aus dem Körper durch einen Schlauch in das Dialysegerät gepumpt. Es fließt durch Kapillaren (feinste Röhrchen) durch den Dialysator und wird dabei von der Dialyseflüssigkeit umspült (im sogenannten Gegenstromprinzip). Durch die Dialysemembran (Wand der Kapillare) treten nun die kleinmolekularen Schadstoffe (wie Elektrolyte, Harnstoff, Kreatinin) aus dem Blut in die Spülflüssigkeit über (Diffusion). Die Membran funktioniert hierbei wie ein Filter: großmolekulare Substanzen wie Eiweiße, Fette, Kohlehydrate, Blutzellen können die Membran nicht passieren, bleiben so dem Körper erhalten. Überschüssiges Wasser in der Blutbahn kann dabei durch einen von der Dialysemaschine geregelten Druckunterschied zwischen Blutgefäß und Spüllösung abfiltriert werden. Umgekehrt lässt sich das Blut des Patienten durch eine bestimmte Zusammensetzung der Spüllösung mit erwünschten Substanzen anreichern. So lassen sich auch ein zu hoher Säuregehalt, ein Eisen- und Vitaminmangel korrigieren.
  • Für dieses Verfahren der Dialyse muss minütlich eine große Menge Blut entnommen werden (mindestens 200, besser 300 ml/min). Da dies aus normalen Arm-Blutgefäßen nicht möglich ist, wird ein sogenannter Shunt (auch arteriovenöse/AV-Fistel) angelegt. Dazu werden in einer kurzen Operation Vene und Arterie miteinander verbunden. Mit der Zeit entsteht an dieser Stelle ein regelrechtes „Gefäßrohr“, woran über Kanülen die Schläuche für den Blutkreislauf angeschlossen werden. Zwei bis sechs Wochen nach diesem kleinen operativen Eingriff darf dieser sogenannte Shunt verwendet werden. Ein „Shunttraining“ des Patienten ist förderlich.
  • Eine Hämodialyse wird in der Regel dreimal pro Woche in einem Dialysezentrum unter Aufsicht von einem Ärzteteam und geschultem Pflegepersonal durchgeführt und dauert jeweils etwa vier bis fünf Stunden. Modernste Dialysatoren, hohe Blutflussraten, längere oder häufigere Dialysezeiten können Effektivität und Patientengesundheit und -überleben verbessern.

Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)

  • Die Peritonealdialyse (PD) kommt der natürlichen Arbeitsweise der Niere sehr nah, da sie den Körper kontinuierlich und schonend entwässert und entgiftet. Daher bestehen hier oft weniger Nebenwirkungen als bei der Hämodialyse.
  • Die PD ist ein zuhause durch den Patienten und/oder Angehörige durchgeführtes Verfahren. Sie ermöglicht dem Patienten eine gewisse Unabhängigkeit und ist daher für viele Betroffene, die berufstätig sind oder gerne reisen, die Therapie der Wahl. Der Patient muss aber gesundheitlich im Stande sein, die Bauchfelldialyse durchzuführen, er muss intensiv auf die Anwendung eingestellt und trainiert werden und verfügt schließlich zuhause bei diesem Verfahren über ein hohes Maß an Freiheit, aber auch an Eigenverantwortung (z. B. regelmäßiges Führen eines Dialyseprotokolls, mögliche Problemlösung und Komplikationserkennung).
  • Bei der PD macht man sich die natürlichen Membraneigenschaften des Bauchfells (Peritoneum) zunutze (deshalb auch Bauchfelldialyse genannt). Das Peritoneum ist ein dünnes, gut durchblutetes Häutchen. Es kleidet den gesamten Bauchraum aus und überzieht auch die Darmschlingen. So erreicht es eine Größe von ein bis zwei Quadratmetern.
  • Mit Hilfe eines zuvor operativ angelegten Katheters füllt der Patient selbst zwei bis drei Liter einer sterilen Spüllösung (Dialysat) in die Bauchhöhle. Diese Flüssigkeit umspült die Darmschlingen und das Bauchfell. Die ausscheidungspflichtigen Substanzen „wandern“ vom Blut durch das Bauchfell als Dialysemembran in die Spüllösung. Die mit diesen Stoffen angereicherte Flüssigkeit wird nach einigen Stunden über den Katheter abgelassen und durch neue Dialysierflüssigkeit ersetzt („Beutelwechsel“).

Nierentransplantation

  • Das für die meisten Patienten beste Nierenersatzverfahren ist die Nierentransplantation. Seine Spendenbereitschaft dokumentiert man am einfachsten mit einem Organspendeausweis.
  • Sofern die Transplantation komplikationsfrei verläuft, kann der Empfänger 10 bis 15 Jahre mit der Spenderniere ein weitgehend normales Leben führen. Aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung leben manche Menschen sogar bis zu 30 Jahren mit einer Spenderniere.
  • In Deutschland wurden im Jahr 2013 2.272 Nieren transplantiert. Fast 11.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan, etwa 8.000 davon auf eine Niere.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit Hauptsitz in Frankfurt am Main ist die nach dem Transplantationsgesetz beauftragte Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende in Deutschland